81.000 Stimmen: Was wir wirklich von KI erwarten
Warum Hoffnung und Angst gleichzeitig existieren – und was die Anthropic-Studie über unsere echte Beziehung zur KI verrät
01.04.2026 9 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge der KI Kantine geht Buschi einer spannenden Frage nach: Was erwarten wir eigentlich wirklich von Künstlicher Intelligenz?
Basierend auf einer groß angelegten Studie von Anthropic mit über 81.000 Teilnehmern weltweit zeigt sich ein überraschend differenziertes Bild. Statt klarer Lager zwischen Optimisten und Skeptikern erleben viele Menschen beides gleichzeitig – Hoffnung und Angst.
Es geht nicht nur um Produktivität, sondern um Zeit, Lebensqualität und persönliche Ziele. Gleichzeitig sind die größten Sorgen der Nutzer oft sehr pragmatisch: Fehlerhafte Antworten, Jobunsicherheit und der Verlust eigener Denkfähigkeit.
Auch wirtschaftlich zeigt sich eine klare Tendenz: Besonders Freelancer und Unternehmer profitieren aktuell stark von KI – allerdings nicht ohne Nebenwirkungen.
Eine Folge über die menschliche Seite der KI – und darüber, wie nah uns diese Technologie eigentlich schon gekommen ist.
Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch – Entwickler, Unternehmer und neugieriger Kantinenphilosoph.
Hier geht’s regelmäßig zur Mittagspause um Künstliche Intelligenz im echten Entwickleralltag – verständlich, praxisnah und mit einer Prise Skepsis.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig – meistens genau dann, wenn du dir eh gerade ein Tablett schnappst.
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Transkript
(Transkribiert von TurboScribe. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Mahlzeit!
Mahlzeit!
Sag mal, hast du nicht auch das Gefühl,
dass diese ganze KI-Debatte irgendwie komplett an
der Realität vorbeigeht?
Nö, wieso?
Ich habe am Wochenende eine ziemlich spannende Studie
gelesen von Anthropic.
Die machen das ja regelmäßig und wir haben
auch schon mal darüber geredet.
Die befragen dann weltweit Menschen und diesmal 81
.000 Menschen befragt.
Das waren 159 Länder, 70 Sprachen, also es
ist wirklich eine große Grundgesamtheit.
Und die haben sich nicht gefragt, ist die
KI gut oder schlecht, sondern die haben einfach
gefragt, was erwartet ihr eigentlich von der KI
und wovor habt ihr Angst?
Und die Antworten passten überhaupt nicht zu diesem
Schwarz-Weiß-Denken.
Interessant!
Also das Erste, was mir hängen geblieben ist,
dass die Leute gar nicht Pro- oder
Contra-KI sind, sondern die haben irgendwie beides
gleichzeitig im Kopf.
Das geht mir tatsächlich ähnlich.
Und zwar muss man nur begreifen, dass Hoffnung
und Angst kein Gegensatz sind.
Die gehören ja doch zusammen.
Ein Beispiel aus der Studie war, dass so
ein Nutzer erzählt hat, dass er mit der
KI über persönliche Probleme gesprochen hat und das
hat ihm sehr geholfen, aber gleichzeitig hat er
sich dadurch auch von echten Freunden entfernt.
Und im Nachhinein hat er dann gesagt, das
war aber ein Fehler.
Und das ist wirklich das Typische von so
einem zweischneidigen Schwert.
Die KI hilft dir, aber sie kann auch
Dinge kaputt machen, die vorher funktioniert haben.
Ich erlebe das dauernd im Kleinen, wenn ich
irgendwas eigentlich nicht weibkoden will, weil ich denke
mir, das ist so trivial, das mache ich
jetzt von Hand, weil der Aufwand lohnt sich
gar nicht, mit einem Prompt auszudenken.
Ich merke aber, ich habe so meine typischen
Prozesse ein bisschen verloren.
Also es fühlt sich dann so an, wie
wenn man länger nicht Englisch gesprochen hat und
dann auf einmal wieder so einen Anlauf braucht.
Und so fühle ich mich da auch.
Manchmal stehe ich davor und sage so, das
kann doch nicht sein, das ist so banal
und jetzt gibt es tausend Fehler, was habe
ich denn da jetzt verursacht?
Das ist ja kein permanenter Schaden, aber so
kurzfristig empfinde ich das immer als ein bisschen
erschreckend.
Ach und noch so ein Punkt, man muss
sich bedenken, die positiven Effekte der KI, die
erleben die Leute ja oft ganz real.
Aber wenn sie dann Ängste entwickeln, dann sind
das ja rein hypothetische Dinge, was in der
Zukunft passieren könnte.
Also Nutzen spürst du heute, Risiken denkst du
dir für morgen erst aus.
So einen zweiten Punkt fand ich auch noch
sehr spannend.
Alle reden ja immer darüber, dass die KI
in die Produktivität steigert.
Die KI spart Zeit, KI macht mich effizienter.
Aber die Studie sagt, das ist irgendwie nur
oberflächlich.
Die eigentlichen Gründe sind viel persönlicher.
So ein Beispiel, jemand automatisiert seine E-Mails
nicht, um mehr E-Mails schreiben zu können,
sondern um mehr Zeit zu haben für andere
Dinge, nämlich Familie oder Hobby.
Oder so ein Freelancer reduziert seine mentale Arbeit
jetzt nicht für mehr Projekte, sondern um endlich
mal wieder Bücher zu lesen oder irgendwas.
Das entspricht ja auch dem Zeitgeist.
Quality Time oder diese ominöse Lifestyle Teilzeit.
Das heißt, diese Produktivität ist nur Mittel zum
Zweck.
Es geht eigentlich um Lebensqualität oder sogar noch
tiefer um Gesundheit, Gerechtigkeit, Selbstverwirklichung.
Und das fand ich schon bemerkenswert, weil das
in der Tech-Bubble ja irgendwie komplett untergeht.
Da geht es ja eh immer nur darum,
Zeit gespart und du konntest noch einen Side
-Hustle voranbringen.
Und dann kommt noch ein Teil, der mich
jetzt ehrlich gesagt nicht so überrascht hat.
Die größte Angst ist nicht, dass die KI
die Menschheit auslöscht.
Das denkt wirklich nur eine kleine Minderheit.
Die Top-Angst ist, dass die KI Mist
erzählt.
Also ganz banal, Halluzinationen, Fehler oder falsche Antworten.
Ich habe zwar manchmal das Gefühl, dass man
diese Angst vor der Halluzination auch gerne mal
voranschiebt, um sich eben nicht mit der KI
auseinanderzusetzen.
Du hast also eigentlich eine schöne Erklärung, und
es klingt ja auch so fachmännisch, wenn du
sagst, die halluziniert so viel, die Zeit brauche
ich gar nicht aufzuwenden, das ist sowieso alles
falsch.
Das ist so eine händeringende Suche nach einer
Erklärung.
Weil man Angst hat.
Das Pfeifen im Walde.
Nach der Angst vor Halluzinationen kommt die Ängste
vor der KI im Jobverlust und die wirtschaftliche
Unsicherheit.
Und dann, dass man selbst verlernt zu denken.
Das nennt man kognitive Atropie.
Dass dein eigenes Denken nachlässt, weil du es
eben auslagerst.
Das passt ja ein bisschen zu der Geschichte,
die ich erzählt habe, als ich auf einmal
nicht mehr wusste, wie ich so einen trivialen
Fall einfach selbst programmiere.
Und ich finde, das sind alles sehr konkrete
Sorgen, die die da in dieser Umfrage genannt
haben.
Das ist jetzt kein Science-Fiction, das ist
wirklich Alltag.
Und so einen anderen Punkt fand ich auch
noch wirklich sehr überraschend.
Dass viele Angst haben, dass die KI zu
harmlos wird.
Dass sie also zu stark gefiltert wird, zu
vorsichtig ist, zu politisch korrekt.
Also, dass sie eigentlich kein echter Sparingspartner mehr
ist.
In der Umfrage hat einer gesagt, dass er
als größte Gefahr ist, der sieht, dass eine
KI nur noch darauf optimiert ist, niemanden zu
irritieren.
Und klar, wenn dich Chet Chibiti bei allem
lobst, was du sagst, auch wenn es eigentlich
Quatsch ist, dann ist das kein guter Sparingspartner,
um besser zu werden.
Denn dann fehlt die Reibung.
Und gerade, wenn du kreativ arbeitest oder irgendwelche
Probleme lösen willst, brauchst du ja manchmal eine
Gegenposition oder eine unbequeme Idee.
Wenn die KI das alles wegfiltert, dann wird
sie echt ziemlich wertlos.
Und dann gibt es noch den wirtschaftlichen Teil.
Der war ziemlich eindeutig.
Am meisten profitieren gerade nicht die großen Organisationen,
sondern die einzelnen.
So die Freelancer, die kleinen Unternehmer und so
Leute mit Seitenprojekten.
Die sind einfach schneller, die probieren Dinge aus,
die integrieren die KI direkt und müssen sich
über manche Dinge keinen Kopf machen, im Gegensatz
zu großen Organisationen.
Die Studie sagt, diese kleinen Unternehmen haben dreimal
so häufig finanzielle Vorteile wie Angestellte in klassischen
Strukturen.
Allerdings würde mich das schon mal interessieren, was
jetzt genau finanzielle Vorteile sind.
Denn ich glaube, so richtig monetarisieren lässt sich
das auch immer weniger.
Die Kunden von kleinen Unternehmen wissen ja auch,
dieses kleine Unternehmen nutzt KI.
Also wird sie sehr schnell sein.
Und das muss ich im Preis irgendwie auch
sehen.
Und wenn du in der heutigen Zeit über
Stunden abrechnest und dein Projekt viel schneller fertig
wird, hast du eigentlich faktisch weniger verdient.
Und dann hast du irgendwie das Gefühl, du
läufst zwar schneller, aber bleibst trotzdem auf der
Stelle stehen.
Es ist so irgendwie eine Tretmühle.
Du sparst Zeit und nutzt sie sofort für
noch mehr Arbeit.
Und so sagen viele Freelancer, die KI ist
mein bestes Tool, aber auch mein größter Konkurrent.
Den Satz würde ich auch so unterschreiben.
Und jetzt noch ein Metapunkt, der da fast
untergeht.
Die Studie wird ja von der KI selbst
durchgeführt.
Also Claude hat die Interviews durchgeführt.
Denn sonst könnte man natürlich nicht 81.000
Leute in der ganzen Welt befragen.
Aber du kannst ja nur interviewt werden, wenn
du die KI benutzt.
Das ist also schon, die Grundlage ist schon
ein bisschen belastet, würde ich mal sagen.
Wenn jemand die KI nicht benutzt, kannst du
ihn auch nicht nach seinen Ängsten fragen, weil
du kommst gar nicht an ihn ran.
Aber natürlich muss man auch sagen, eine sinnvolle
Aussage über KI können ja eigentlich auch nur
die treffen, die wirklich die KI benutzen.
Denn das ist ja schon so ein bisschen
wie über Autofahren zu diskutieren und du fragst
nur Leute, die noch nie in einem Auto
saßen.
Und wie beim letzten Mal auch ist diese
Studie eigentlich gar kein Technikbericht, sondern eher ein
Spiegel.
Die Leute projizieren ihre ganz normalen menschlichen Themen
auf die KI.
Zeit, Gesundheit, Beziehung, Sicherheit und gleichzeitig die Angst,
dabei sich selbst oder diese Dinge zu verlieren.
Und dann ist die Frage eben nicht mehr,
ist die KI gut oder ist sie schlecht,
sondern eher, wie weit lasse ich sie an
mich ran?
Und wo ist der Punkt, an dem Unterstützung
in Abhängigkeit kippt?
Ich kipp hier gleich vom Stuhl.
Können wir jetzt endlich mal essen?
Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael
Busch, der auch beim nächsten Mal wieder ein
frisches KI-Gericht auftischt mit einer Prise Pommes
und einer Beilage Skepsis.
Hier ist die KI-Kantine.