Die KI Kantine - Der Podcast

Michael Busch

Börse ohne Bauchgefühl – wie KI rational investiert

Wie hilfreich kann KI beim Aktienhandel sein? Von persönlicher Erfahrung bis zu spannenden Experimenten mit Agenten.

06.08.2025 7 min

Zusammenfassung & Show Notes

Kann ChatGPT helfen, bessere Entscheidungen an der Börse zu treffen? In dieser Folge der KI Kantine erzählt Buschi von seinen eigenen Erfahrungen im Aktienhandel mit KI-Unterstützung – rational, emotionslos und manchmal überraschend treffsicher. Außerdem berichtet er von zwei Experimenten, in denen KIs eigenständig Portfolios verwalten – mit teils beeindruckenden Ergebnissen. Doch wie gefährlich ist es, wenn viele KIs gleichzeitig dieselben Trades machen? Und werden Finanzberater bald eher Prompts statt Aktien verkaufen? Eine Folge über die Schnittstelle von KI, Marktlogik und menschlicher Psychologie.

Die Aktie, von der im Podcast die Rede ist, war übrigens Novo Nordisk.

spannende KIs zum Thema Aktien:
https://www.inciteai.com/
https://meyka.com/

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Transkript

(Transkribiert von TurboScribe.ai. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Mahlzeit. Mahlzeit. Sag mal, du weißt doch, dass ich ziemlich viel an der Börse handele, ne? Also ich mach das ja schon seit 20 Jahren, mindestens. Aber jetzt hat es mich schon mal interessiert, kann man vielleicht mit Chet-GPT da sich Vorteile erarbeiten? Interessant. Du hast ja seit der Telekom-Aktie da nicht mehr viel gemacht, oder? Ja, ja, sehr witzig. Also indem man dann Chet-GPT wie so einen Sparingspartner benutzt, indem man über Aktien reden kann, über Entscheidungen, die man vielleicht treffen soll, oder kann man vielleicht sogar Chet-GPT das komplett überlassen. Ein Vorteil ist sicher, dass es emotionsloser passiert als bei einem selber. Aha. Und in der letzten Woche habe ich das tatsächlich immer ausprobiert. Ich habe die KI gefragt, eine meiner Aktien hat gerade 20 Prozent verloren. Schau dir mal das Aktienbild an und schau dir auch mal die Analysen an und hilf mir bei der Entscheidung, ob ich nachkaufen soll, nichts machen soll oder vielleicht jetzt sogar noch verkaufen soll. Und die Antwort war, ich würde noch nicht nachkaufen, denn so wie alles aussieht, wird die Aktie noch weiterfallen. Ich würde warten, bis die Aktie bei dem und dem wert ist. Und wenn das dann am Tagesschlusskurs immer noch so ist, dann kannst du dir echt überlegen, ob du es kaufen sollst. Und genauso habe ich es gemacht. Die Aktie ist tatsächlich am nächsten Tag noch mal 5 Prozent gefallen und dann hat es so einen Boden gefunden. Und dann habe ich gesagt, okay, jetzt kaufe ich nach. Bei einer anderen Aktie hat mich die Meinung einfach interessiert, wenn ich die jetzt kaufe und für eine Woche höchstens halten will, ist das sinnvoll, hat das eine Aussicht auf Erfolg oder wie siehst du die ganze Situation? Und da sagte der, nee, die Aktie würde ich nicht kaufen, aber wie wäre es denn mit der? Die ist in einer ähnlichen Situation und bei der würde ich sagen, du hast gute Chancen ein Plus zu machen, wenn du es in vier, fünf Tagen wieder verkaufen willst. Habe ich gemacht und so war es. Das klingt aber spannend. Aber ob ich jetzt mein Depot einer KI einfach mal so übergeben würde und sage, handel du mal für mich, da habe ich doch sehr Zweifel, ob ich das machen würde. Ja, da hast du recht. Dazu gibt es aber zwei spannende Experimente, über die ich gelesen habe. Da will ich dir mal kurz beschreiben, was das da gewesen ist. Beim ersten war so ein nicht börsenaffiner Manager, der hieß Morgan Linton und der hat gesagt, okay, ich eröffne jetzt an so einer Kryptobörse ein Konto und ein Depot und ballere da 1000 Dollar drauf und der hat dem neuen Agenten von Perplexity einfach die Aufgabe gegeben, mach so viel Geld wie möglich draus. Und dann hat der Bot recherchiert, Nachrichten gescannt, so irgendwelche Handelsideen vorgeschlagen. Am Ende sah das Portfolio so aus, dass die großen Namen drin waren, Nvidia, Microsoft, Google und so weiter. Das wären wahrscheinlich die Entscheidungen sogar gewesen, die er so als halbwegs informierter Mensch auch getroffen hätte. Aha. Das heißt also, die Deep Research, die dieser Perplexity Agent gemacht hat, war schon sehr konservativ und er hat halt ein paar aktuelle Finanzratgeber gelesen. Und um das so ein bisschen zu umgehen, diese ganze Mainstream-Investiererei, gibt es ein anderes Beispiel. Da hat ein Schüler in Amerika Chet Chibiti 100 Dollar gegeben und gesagt, investiere nur in kleine Firmen, also so Firmen unter 300 Millionen Mark Kapitalisierung. Das ist schon riskant. Aber nach vier Wochen, da lag dieses KI -Portfolio bei plus 23 Prozent und der Index, der lag nur bei plus 3,9 Prozent. Als es dann mal an einem Tag richtig schwer runterging, es waren so sieben Prozent, da hat halt Chet Chibiti nicht panisch reagiert, sondern hat nochmal 25 andere Aktien durchgerechnet und entschieden, nö, ich bleibe so drin und das wird schon. Das musste als Mensch erstmal aushalten. Ja. Ja und dieses Aushalten, diese Emotionen, die klammert halt die KI aus. Die machen keine Stimmung mit, die treffen rationale Entscheidungen. Und für so ein Portfolio ist das nicht schlecht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sowas bald ein Produkt ist und angeboten wird. Da hast du recht. Es ist allerdings auch echt gefährlich, weil es gibt ganz schöne Risiken, wenn nämlich viele KIs mit dem selben Prompt auch gleichzeitig dieselben Trades machen, dann kann das so einen Wert oder auch den ganzen Bereich sehr stark beeinflussen. Aber das ist natürlich noch Zukunftsmusik, würde ich sagen. Und die KIs im Moment, die handeln schon noch sehr konventionell. Also aber wenn die mal anfangen, die Agenten, so eigene Strategien zu entwickeln und das sehr unorthodox sich verhalten, dann ist das eben auch, da kannst du mit deiner ganzen Chart-Technik auch nix mehr gewinnen, weil dann ist keine Psychologie mehr drin und Chart-Technik ist ja eigentlich nur Psychologie. Das wird dann echt spannend. Aha. Und dann stellt sich natürlich die nächste Frage, braucht man dann überhaupt noch sowas wie Finanzberater? Und wenn es die weiter gibt, verkaufen die dir überhaupt noch Aktien oder einfach nur noch Prompts? Die sagen dann, hier, nimm das Prompt und damit outperformst du den ganzen Markt. Prompt-Engineering für die Börse also quasi. Jetzt gibt es ja schon auf so Plattformen wie Tradingview oder sowas eine Sektion mit Ideen. Da kannst du also als Privatmann auch einfach eine Idee, wie man jetzt handeln soll, veröffentlichen und dann kann ein anderer dieser Idee folgen. Das könnte es dann auch für Prompts geben. Aha. Ich werde es auf jeden Fall mal selbst versuchen. Ich will mal versuchen, so einen kleinen Agenten fürs Portfolio zu machen. Dem vertraue ich jetzt nicht blind und der darf auch nicht kaufen und verkaufen. Ich weiß auch gar nicht, ob das in Deutschland überhaupt technisch möglich ist. Aber mal so einer, der mir jeden Tag Tipps und Tricks gibt, das will ich mal ausprobieren. Und weißt du, was ich mal ausprobieren will? Unser Mittagessen. Können wir jetzt in Limon essen? Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch, der auch beim nächsten Mal wieder ein frisches KI-Gericht auftischt mit einer Prise Pommes und einer Beilage Skepsis. Untertitel von Stephanie Geiges