Der Kampf um deinen Kontext – wenn KI dein digitales Leben kennt
Warum Google, OpenAI, Anthropic und Apple nicht mehr um Antworten kämpfen – sondern um dich.
21.01.2026 8 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge der KI Kantine geht es um die nächste Eskalationsstufe der KI-Entwicklung: den Kampf um persönlichen Kontext. Buschi erklärt, warum KI-Modelle als reine Wissensmaschinen an ihre strategischen Grenzen stoßen – und weshalb die eigentliche Macht künftig darin liegt, möglichst viel über den einzelnen Nutzer zu wissen.
Anhand aktueller Entwicklungen bei Google Gemini, Claude Desktop und OpenAI zeigt er, wie KI-Systeme beginnen, auf persönliche Daten, Dateien und Arbeitsumgebungen zuzugreifen. Dabei wird klar: Es geht nicht mehr um bessere Antworten, sondern um tiefere Integration.
Die Folge beleuchtet Chancen und Risiken dieser Entwicklung – von produktiver Datenverarbeitung auf persönlicher Ebene bis hin zu Sicherheitsfragen, Kontrollverlust und Prompt Injection.
Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch – Entwickler, Unternehmer und neugieriger Kantinenphilosoph.
Hier geht’s regelmäßig zur Mittagspause um Künstliche Intelligenz im echten Entwickleralltag – verständlich, praxisnah und mit einer Prise Skepsis.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig – meistens genau dann, wenn du dir eh gerade ein Tablett schnappst.
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Transkript
(Transkribiert von TurboScribe.ai. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Mahlzeit.
Mahlzeit.
Sag mal, wie war eigentlich deine Vorsorgeuntersuchung?
Findest du, dass das ein Thema ist, um
hier in der Kantine drüber zu reden?
Siehste, Privatsphäre ist wichtig, ne?
Aber die KI will da jetzt ran.
Aha.
Im Prinzip haben wir ja bisher KI-Modelle,
so wie JGBT oder Claude, nur als hochintelligentes
Lexikon benutzt.
Du stellst eine Frage und die KI antwortet
mit dem kollektiven Wissen des Internets.
Das ist nützlich.
Das Problem für die großen Tech-Konzerne ist
halt, allgemeines Wissen ist kein dauerhafter Wettbewerbsvorteil mehr.
Ich habe es ja schon öfters gesagt, aber
die Modelle werden sich ja immer ähnlicher.
Und die echte Revolution findet jetzt ganz woanders
statt.
Nämlich dort, wo die KI nicht nur das
Internet kennt, sondern auch dich, deine Gewohnheiten, deine
Vorlieben, deine gesamte digitale Existenz und eben halt
auch deine Gesundheit.
Und genau da tobt der Krieg zwischen Google,
Anthropic, OpenAI und Apple.
Interessant.
Also Google zum Beispiel, die haben gerade ihre
vielleicht mächtigste Waffe gezündet.
Personal Intelligence für Gemini.
Die haben da so einen gigantischen strategischen Burgraben.
Das kann praktisch keine Konkurrenz überhaupt jemals replizieren.
Bei jeder Konversation mit OpenAI fängt es ja
quasi bei null an.
Google kann im Prinzip auf zwei Jahrzehnte von
Daten zugreifen.
Gmail gibt es seit 2004.
Ich bin glaube ich auch selbst bei Gmail
seit 2004.
Jedes Foto, das hast du sicher schon bei
Google Fotos hochgeladen.
Deine YouTube-Historie, deine Zoom-Anfragen, das gibt
es auch seit 2005.
Und Google verzahnt diese gesamten Dienste in Gemini.
Google kann dann rein theoretisch sofort rausfinden, welches
Auto du fährst.
Sie schaut sich dir alle Threads an.
Sie kann sogar rausfinden, was für Reifen du
bisher gekauft hast.
Und vielleicht sogar die exakten Reifenmaße.
Wenn sie will, kann sie irgendwo das Kennzeichen
aus einem der Fotos in deiner Cloud lesen.
Und kann auch einen Werkstatttermin beantragen, wenn es
rausfindet, dass jetzt zum Beispiel die Reifen abgefahren
sind.
Ich finde schon, das klingt immer noch nach
Science Fiction, aber das ist Realität.
Und wie sollten da die Konkurrenz mithalten?
Dieser Kontextvorsprung ist wirklich riesig für Google.
Aha.
Und damit beherrscht Google die Cloud.
Aber Anthropic hat jetzt auch was Neues, nämlich
Claude Coburg.
Und die will damit direkt auf dein Desktop
zugreifen.
Das ist der Unterschied.
Claude lebt jetzt nicht mehr in einem isolierten
Browser-Tab, sondern die KI greift direkt auf
deine Ordnerstruktur zu.
Kein mühsamer Upload mehr von der Datei, sondern
die KI agiert lokal auf deinem Rechner.
Die erstellt die Arbeitspläne, bearbeitet Tasks und meldet
sich wie ein echter Kollege zurück, wenn sie
ihre Aufgabe erledigt hat.
Ich habe bei Twitter ein Beispiel gelesen, wo
ein Nutzer über 300 Podcast-Transkripte im Ordner
hatte.
Etwa 600 Stunden Content.
Und hat Claude gesagt, finde mir doch mal
die wichtigsten Lektionen aus diesen 600 Stunden Content.
Nach 15 Minuten gab es eine schön ausgearbeitete
Übersicht über die wichtigsten Lektionen.
Das ist jetzt kein Chat mehr, das ist
quasi industrielle Datenverarbeitung auf persönlicher Ebene.
Das ganze Claude Coburg wurde innerhalb von einer
Woche oder zehn Tagen von Claude Code autark
programmiert.
Also willkommen im Zeitalter des Web-Codings.
Ich hätte mir Claude Coburg selbst auch gerne
mal angeschaut, aber dazu brauchst du irgendwie so
eine Max-Transcription.
Da musst du also 100 Euro im Monat
zahlen, das habe ich aber nicht.
Interessant.
Aber der Kampf um deinen Kontext, wie man
das mal so nennen will, also das Wissen
über dich, das wird zunehmend vertikal geführt.
Also OpenAI versucht mit GPT-Health deine Daten
zu sammeln aus Variables und aus PDFs und
so weiter.
Erthropic will mit Claude for Healthcare im Prinzip
dasselbe machen.
Aber der wahre Endgegner, das bleibt Apple.
Denn hier hat ausnahmsweise mal Apple wirklich entscheidende
Trümpfe.
Also als erstes haben sie Zugriff auf diese
ganze iMessage-Verläufe, das ist also irgendwie bei
Google.
Sie haben natürlich auch noch dutzende Gigabytes an
privatesten Gesprächen.
Und zweitens, sie dominieren eigentlich die physische Welt.
Und hier kommen dann die AirPods ins Spiel.
Also diese kleinen Kopfhörer füllen die Ohren, das
sind ja nicht nur Kopfhörer.
Das sind ja jede Menge Sensoren, auch die
Möglichkeit zur Interaktion mit der realen Welt.
Und wenn du überlegst, dass OpenAI zusammen mit
diesem John Ive, dem ehemaligen Chefdesigner von Apple,
auch an irgendeinem Hardware-Projekt arbeiten, das auch
genau an dieser Stelle sich hier andockt, dann
ist schon Apple hier in einem riesen Vorteil.
Denn wer das Ohr des Nutzers kontrolliert, kontrolliert
den wertvollsten Kontextstrom von allen.
Aha.
Ich wette mit dir, du hast jetzt schon
in den letzten Minuten immer wieder das Gleiche
gedacht und das ist nun mal.
Was ist denn mit Sicherheit?
Ich finde auch so eine totale Integration hat
einen verdammt dunklen Schatten.
Das ist natürlich auch allen bewusst.
Deshalb sagt zum Beispiel Anthropic für dieses Cloud
-Cowork, gibt es Sicherheitsmaßnahmen in der Form, dass
das alles nur in einer virtuellen Maschine stattfindet.
Du gibst also gewisse Verzeichnisse frei und nur
die kann Cloud Code überhaupt bedienen.
Aber nichtsdestotrotz, der kann löschen, du erlaubst dem
das ja alles.
Sonst würde er ja nicht eine neue Datei
schreiben können oder irgendwas verändern können.
Und du musst ja gar nichts falsch machen.
Das kann ja irgendein Bösewicht eher so eine
prompt injection machen.
Also irgendeine bösartige Anweisung, um irgendwas mit einer
Datei auf deinem Rechner anzustellen.
Und die beste Lösung für die Labore, die
sich das alles ausgedacht haben, ist ja nun
wirklich im Moment noch zu sagen, ja, da
musst du halt besser aufpassen.
Wie will ich denn da besser aufpassen?
Das ist ja für mich überhaupt nicht transparent.
Und ich bin ja sogar noch aus dem
Thema des Cloud Cowork.
Soll ja was sein, quasi Cloud Code für
Leute, die nicht programmieren.
Also gibst du quasi Hutzugriff auf dein digitales
Leben.
Und das ist schon ausgesprochen gefährlich.
Ich bin ja bei sowas immer sehr interessiert.
Aber auch, ich denke drüber nach, was bringt
mir das?
Wann brauche ich das?
Und wenn es dann immer heißt, ja, es
können ja deine Dateien sortiert werden und so
weiter.
Ja, wie oft brauche ich das denn?
Bemühe ich mich da überhaupt das alles zu
durchdringen, damit ich mal meine Dateien sortiert bekomme?
Auch das erscheint mir immer noch mehr technische
Spielerei als wirklich ein Anwendungsfall zu sein.
Für meinen persönlichen Anspruch.
Und nur um so einen Assistenten zu haben,
der vielleicht ab und zu mal was für
mich macht, wo ich mir erstmal lange drüber
nachdenken muss, wie lasse ich ihn das jetzt
machen?
Habe ich denn überhaupt alle relevanten Sachen freigegeben?
Und auf der anderen Seite, die Gefahrensituation, also
die Abwägung zwischen Vorteil und Risiko, ist, finde
ich, noch nicht richtig eingependelt.
Das Verhältnis von Schnitzel zu Pommes allerdings schon.
Können wir jetzt in Limon essen?
Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael
Busch, der auch beim nächsten Mal wieder ein
frisches KI-Gericht auftischt mit einer Prise Pommes
und einer Beilage Skepsis.
Bis zum nächsten Mal!