Vibecoding, CRM und KI-Welten – macht KI Software überflüssig?
Zwischen Selbstprogrammieren, Software-Verantwortung und generierten Spielwelten
04.02.2026 6 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge der KI Kantine geht Buschi der Frage nach, ob klassische Software durch KI bald überflüssig wird. Auslöser ist der Kursrutsch bei Microsoft trotz guter Zahlen – und das neue Narrativ, dass man sich Software dank KI einfach selbst „vibecoden“ könne. Am Beispiel von CRM-Systemen erklärt Buschi, warum Software weit mehr ist als nur Eingabemasken: Wartung, Logik, rechtliche Änderungen und Verantwortung lassen sich nicht einfach wegprompten. Gleichzeitig zeichnet er ein realistisches Zukunftsbild moderner Software: adaptive Dashboards, Agenten und natürliche Chat-Oberflächen bei stabiler Kernlogik im Hintergrund. Auch Geschäftsmodelle stehen auf dem Prüfstand – etwa durch Outcome-Based Pricing. Zum Schluss wechselt der Blick in die Spieleindustrie: Generative KI wie „Genie 3“ sorgt für Börsenturbulenzen, wirft aber grundlegende Fragen zu Kreativität, Spieltiefe und menschlichem Spieldesign auf.
Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch – Entwickler, Unternehmer und neugieriger Kantinenphilosoph.
Hier geht’s regelmäßig zur Mittagspause um Künstliche Intelligenz im echten Entwickleralltag – verständlich, praxisnah und mit einer Prise Skepsis.
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Transkript
(Transkribiert von TurboScribe.ai. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Mahlzeit.
Mahlzeit.
Sag mal, du hast doch Microsoft-Aktien, oder?
Die sind aber letzte Woche ganz schön abgerauscht.
Ja, das verstehe ich aber gar nicht.
Die Zahlen, die waren doch sehr gut.
Ja, die Zahlen waren echt gut.
Aber die sind halt Opfer geworden von diesem
neuen Narrativ, dass KI Software komplett überflüssig macht,
weil man es sich ja schön selber programmieren
kann.
Aha.
Stichwort vibecoding.
Bei Twitter hat so ein ehemaliges Host hier
von Amazon gesagt, ja, ich war so unzufrieden
mit unserem CRM-System.
Das habe ich über das Wochenende mal genauso
angepasst, wie ich es brauche.
Da waren so viele Felder, die ich nicht
benötigt habe.
Ich habe da auch selber sogar schon mal
vor kurzem drüber geredet mit dir.
Das Problem hierbei ist, dass ein CRM-System
ja nicht nur Eingabefelder sind, sondern da hängt
ja eine komplizierte Logik dahinter.
Und zwar eine Logik, die sich über Jahre
verbessert und entwickelt hat.
Klar, ich kann mich noch an Zeiten erinnern,
da hat so eine Erweiterung von der Software
Monate gedauert.
Man hat erst die Anforderungen gesammelt, Spezifikationen geschrieben,
man hat noch einen Entwickler vielleicht dazu geholt,
dann wurden die Tests gemacht und so weiter.
Das war eine ewig lange Zeit.
Und sowas will man heute ja nicht mehr
haben.
Aber so eine Softwareentwicklung ist ja nicht nur
das Bauen von Software.
Das ist ja die Instandhaltung von Software.
Und willst du das dann machen?
Angenommen, irgendwas steuerrelevantes ist und es ändern sich
die Anforderungen, willst du dann jedes Mal wieder
gucken, berücksichtige ich das schon in der Software?
Klar, kannst du vielleicht der KI sagen, schau
dir das an und baue es um, sodass
es wieder den Anforderungen gerecht wird.
Aber dann brauchst du wirklich jemanden, der die
ganze Zeit vibecodet, wenn sich gesetzliche Änderungen ergeben.
Und den musst du dann auch erst mal
bezahlen.
Und der muss auch wissen, was er da
tut.
Da erscheint es mir für die Zukunft von
Software doch eher besser, wenn man nach der
Devise, hätten Sie mal lieber jemanden gefragt, der
sich damit auskennt, dass irgendwelchen Softwarefirmen, irgendwelchen
Fachleuten überlässt, und ich dort weiterhin die Verantwortung
parke von einem Update und so weiter.
Interessant.
Aber was sich sicher ändern wird, ist wie
so eine Oberfläche gestaltet ist, so ein Dashboard,
wo du so Charts hast und irgendwelche Texte
und so weiter.
Also ich denke mittelfristig, wenn nicht sogar kurzfristig,
wirst du hier Agenten einsetzen, die eigenständig entscheiden,
was für ein Dashboard denn heute für dich
und deinen Tag relevant ist.
Ich muss dann vielleicht gar nicht Dinge zeigen,
die erst in zwei, drei Tagen wieder von
Bedeutung sind, aber als Agent weiß ich dann
zum Beispiel, dass heute die und die Meetings
sind, und dann kann ich das eben im
Dashboard schon grafisch aufarbeiten, so als erster Einstieg
in die Thematik.
Interessant.
Deshalb glaube ich, du wirst bei jeder Software
mittelfristig so ein Chatbot haben, wo du umgangssprachlich
beschreiben kannst, was du eigentlich von der Software
erwartest, aber im Hintergrund wird immer noch eine
komplizierte Software laufen, die du nicht gevibecoded hast.
Die Frage ist dann halt, wie das dann
von den Softwarefirmen abgerechnet wird.
Können die weiterhin sagen, eine Arbeitsplatzlizenz ist angemessen,
oder muss man vielleicht nach dem Ergebnis, also
pro gelöstem Fall oder so irgendwas machen?
Also ich glaube, dass die Abrechnungsmodelle sich verändern
müssen.
Ich habe da bei Twitter gelesen, einer nennt
das Outcome-Based Pricing.
Aha.
Aber wie fragil das alles ist, siehst du
gerade in einem anderen Bereich der Softwareprogrammierung.
Bei den Aktienkursen von den Spieleherstellern, die also
Spiele für die Playstation oder die Switch oder
sowas herstellen.
Denn die ganze Branche ist auch letzte Woche
brachial an der Börse abgerauscht.
Die Erklärung dafür finde ich sehr spannend.
Google hat mal wieder was Neues.
Neue KI, und die heißt Genie 3.
Die ist noch nicht in Deutschland erhältlich, oder
man kann es in Deutschland noch nicht machen.
Aber ich habe ein paar Videos gesehen in
Amerika.
Du kannst dir damit Welten erschaffen mit einem
Prompt, und dann kannst du halt in diesen
Welten rumlaufen.
Da hat also einer gesagt, okay, mein Spiel
soll sein, ich bin ein Fisch und liege
da fertig zum Köpfen in der Großküche und
muss jetzt entkommen.
Oder ein anderer hat eine Streichhölzschachtel als Protagonisten
genommen und gesagt, der bewegt sich jetzt durch
ein Straßensystem und muss verhindert werden, dass er
überfahren wird oder von einer Müllabfuhr eingefangen wird.
Auch hier, glaube ich, ist das wieder eine
totale Überreaktion an der Börse.
Denn erstens, hast du die Kreativität, um so
eine Welt zu erschaffen, in der du dann
rumspielst?
Oder ist es nicht schön, die Kreativität von
anderen, besser qualifizierten Leuten zu nutzen, um dann
in deren Welt zwar rumzurennen, aber eben eine
größere Überraschung vielleicht zu haben?
Und vielen reicht es ja auch nicht, in
so einer Welt rumzulaufen, sondern die wollen ja
Aufgaben haben, die wollen Challenges haben, die wollen
Dopamin ausschütten, indem sie einen Kampf gewinnen gegen
einen Endgegner.
Ich weiß nicht, ob so eine KI das
in dieser Inszenierung gut kann.
Vielleicht täusche ich mich.
Witzigerweise ist diese Art von Spiel genau mein
Ding.
Ich habe GTA und ich habe Red Dead
Redemption und ich reite oder fahre dort einfach
nur stundenlang durch die Gegend.
Ich möchte nicht belästigt werden, ich möchte keine
Aufgabe haben.
Ich möchte auch keinen Gefährder irgendwie mir gegenüber
haben, sondern einfach nur die Gegend angucken.
Deshalb bin ich sehr gespannt, wenn das mal
in Deutschland kommt.
Da werde ich auf jeden Fall möglichst viel
Kreativität reinstecken, um mir meine Welt zu schaffen,
in der ich mich gerne verliere.
Und ich möchte jetzt in die Welt der
indischen Gewürze eintreten.
Können wir jetzt in Limo essen?
Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael
Busch, der auch beim nächsten Mal wieder ein
frisches KI-Gericht auftischt mit einer Prise Pommes
und einer Beilage Skepsis.
Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017