Die KI Kantine - Der Podcast

Michael Busch

Wenn die KI den Spaß am Programmieren nimmt

Was passiert mit der Freude am Tüfteln, Debuggen und Programmieren, wenn die KI den Code einfach selbst schreibt?

26.08.2026 8 min

Zusammenfassung & Show Notes

Für viele Entwickler der ersten Generation war Programmieren vor allem eines: Tüfteln. Vom Abtippen von BASIC-Listings auf dem TI-99/4A über Assembler und Pascal bis hin zu C, PHP und JavaScript bedeutete Programmieren, sich Probleme selbst zu erarbeiten, Fehler zu suchen und irgendwann den Moment zu erleben, in dem der eigene Code endlich funktioniert.

Genau dieses Gefühl verändert sich durch KI. Heute kann die KI große Teile der Programmierarbeit übernehmen, während der Entwickler zunehmend Aufgaben organisiert und Agenten koordiniert. Das spart Zeit und ist wirtschaftlich sinnvoll – aber es nimmt möglicherweise auch einen Teil der Befriedigung weg, die beim handwerklichen Programmieren entsteht.

In dieser Folge geht es deshalb um eine etwas andere Frage: Ist es wirklich ein Fortschritt, wenn die KI uns immer mehr Arbeit abnimmt? Oder verlieren wir dabei gerade die Dinge, die uns an unserer Arbeit ursprünglich Spaß gemacht haben?

Hier der Text von James Randall: https://www.jamesdrandall.com/posts/the_thing_i_loved_has_changed/

Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch – Entwickler, Unternehmer und neugieriger Kantinenphilosoph.

Hier geht’s regelmäßig zur Mittagspause um Künstliche Intelligenz im echten Entwickleralltag – verständlich, praxisnah und mit einer Prise Skepsis.

Neue Folgen erscheinen regelmäßig – meistens genau dann, wenn du dir eh gerade ein Tablett schnappst.

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Transkript

(Transkribiert von TurboScribe. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Diese Podcast-Folge über KI nutzt zusätzliche KI -generierte Stimme. Ja, Mahlzeit. Mahlzeit. Sag mal, du hattest doch auch einen Commodore C64, oder? Ja klar, zum Spielen halt. Ja, das war ja für viele von uns Boomer-Entwicklern so der Einstieg, die Einstiegsdroge sozusagen. Und ich habe einen Text gelesen von einem amerikanischen Programmierer, James Randall heißt er. Und ich habe in den letzten Jahren selten einen Text gelesen, mit dem ich so resoniert habe. Resoniert. So, so. Ja, eine Resonanz entsteht, wenn es zwei gleiche Schwingungen gibt. Und James Randall beschreibt, wie er dem Programmieren verfallen ist. Dem Tüfteln, dem Debuggen, dem Herausfinden, warum das jetzt nicht funktioniert. Und auch dem tollen Gefühl, wenn es dann auf einmal funktioniert. Aha. Und das ist genau, wie es bei mir gewesen ist. Ich habe 1982 einen TI-99-4A gekauft, mit Extended Basic Modul. Und habe mich damit auseinandersetzen müssen. Es gab ja kaum Bücher, es war ja nicht wie heute, du kamst ja kaum ran. Du hast ein Handbuch gehabt und da habe ich ein bisschen Text abgeschrieben. Auf einmal dachte ich, okay, das ist ja das Tollste auf der ganzen Welt. Ich will das nie wieder nicht machen. Und damals gab es eine Zeitschrift, die ist Homecomputer. Und in dieser Homecomputer waren Listings, also Source -Code, abgedruckt. Und du hast tagelang nichts anderes gemacht, als das abzutippen. Und dann im Endeffekt mal das Basic-Programm auszuführen, das du abgetippt hast. Und die 2000 Fehler, die du eingebaut hast beim Fertippen, langsam abzuarbeiten. Dadurch auch sehr gut zu verstehen, was mache ich denn da? Was bringt denn dieser Code, diese Codezeile? Dieses Gefühl, wenn es auf einmal gelaufen ist, ist unbeschreiblich. Und das Gefühl, dass du jetzt drei Tage damit verbracht hast, so ein Scheißprogramm, das eigentlich überhaupt nicht das ist, was du dir vorstellst, zu debuggen. Das Gefühl gab es natürlich auch. Aber dann hast du gesagt, okay, ich passe es an, ich mache es besser. Ich war in dieser Welt drin. Und ich hatte einen Freund, den Olli. Und wir haben zusammen dann auch Spiele programmiert. Alles auf einem TI-904A und haben versucht, diese Spiele zu verkaufen. Wir waren dann also echt totale Nerds und glücklich. Das war also Basic. Und dann habe ich ZX, nee, wie hieß der, Sinclair Spektrum gekauft. Auch dort konntest du dann wieder Spiele abschreiben und so weiter. Dann gab es natürlich den C64, dann habe ich dich ja darauf angesprochen. Und dort gab es dann richtig tolle Spiele. Die waren dann schon kopiergeschützt. Und dann habe ich angefangen, Assembler zu lernen, um Maschinensprache zu programmieren, um diesen Kopierschutz zu umgehen. Und dann kamen die PCs. Dann kam Pascal als Programmiersprache, C, C++ und so weiter. Im Studium hast du dann noch ganz verrückte Programmiersprachen gemacht. Du hast, ich habe Ocam, das ist eine Transputerprogrammiersprache, lernen müssen. Viel in Perl gemacht. Und dann kommt PHP und dann kommt JavaScript. Und was will der Boomer-Onkel damit sagen? Heute musst du das so nicht mehr machen. Ich muss gestehen, ich mache in letzter Zeit viel mit TypeScript. Und meine Fähigkeiten in TypeScript sind echt beschränkt. Denn das macht ja die KI auf einmal für mich. Ich habe diese Momente der Hartnäckigkeit, die zu einem Erfolg führt, nicht mehr. Ich schreibe alles prompt nochmal und sage, nee, guck es dir nochmal an. Ich organisiere und ich programmiere nicht mehr. Ich habe damals meinen Job verlassen als Manager, um wieder zu programmieren. Weil ich unglücklich war, nur noch im Raum zu sitzen und irgendwas zu managen. Ich wollte wieder programmieren. Und jetzt habe ich das Gefühl, mir wird das weggenommen. Mir wird mein größter Spaß beruflich weggenommen. Ich muss Agenten koordinieren. In derselben Art und Weise, wie ich damals in Bad Vilbel ein Projekt koordiniert habe. James Randall sagt auch, dass es traurig ist für die jungen Entwickler, diese Magie gar nicht mehr so zu erleben. Ich sehe das viel egoistischer und sage, ich bin traurig, dass ich dieses Gefühl nicht mehr erleben kann. Und ich habe heute eine Nachricht von meiner Bank bekommen, dass ich jetzt Trading auch mit ChatGPT machen kann. So, Trading macht mir auch total Spaß. Und das soll mir jetzt auch durch die KI weggenommen werden? Ich weiß, es ist ja alles freiwillig und ich kann natürlich so programmieren, wie ich das möchte. Aber man merkt ja trotzdem die Grundschwingung. Und natürlich ist es auch nicht zeitgemäß und auch nicht unprofessionell, wenn ich sage, ich brauche für eine Aufgabe fünf Tage, weil ich sie von Hand programmieren will, obwohl die KI mir das in einem Tag, wenn nicht weniger, macht. Das kann ich einem Kunden nicht gut verkaufen. Obwohl es gefühlt auch ein Handwerk ist und man sich gleich wieder zurückbesinnen sollte auf gute Handarbeit. Alle Lösungen, die ich mit KI im letzten Jahr gemacht habe, mit denen fühle ich mich nicht so verbunden. Und du erfährst, es gibt ein Problem und du weißt eigentlich sofort, wo das Problem liegt, weil es das nur sein kann. Das ist mir ein bisschen abhandengekommen, denn ich habe eben noch andere Hände, die dran geschraubt haben, beziehungsweise es sind nicht mehr Hände. Und deshalb verstehe ich gar nicht, dass alle so scharf drauf sind, dass die KI einem alle Arbeit abnimmt. Was machen wir denn dann? Sitzen wir dann wie bei Wally, als dicke Menschen in fahrenden Stühlen oder fliegenden Stühlen? Das kann es doch nicht sein. Ich hoffe, da kommt ein bisschen Vernunft rein, weil die Zufriedenheit, die man als Programmierer hat, wenn etwas, was man sich selber ausgedacht hat, am Ende gut funktioniert und es auch eine Schönheit hat im Programmieren. Man kennt das ja. Als Entwickler guckt man einen Code an und sagt, das geht besser. Und irgendwann mal fühlt es sich an, wie jetzt passt alles zusammen. Das ist die ideale Lösung dafür. Das hat man nicht mehr, der KI ist es doch egal. Die schreibt es irgendwie runter, es muss Blackbox -mäßig am Ende funktionieren. Aber wie das gemacht ist, ist der KI egal und dann irgendwie auch dir, weil du gar nicht mehr so reinguckst. Mir ist aber schon egal, was in die Bolognese reinkommt. Hauptsache, es schmeckt. Können wir jetzt in Limo essen. Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch, der auch beim nächsten Mal wieder ein frisches KI-Gericht auftischt mit einer Prise Ponz und einer Beilage Skepsis. Copyright WDR 2021