Die KI Kantine - Der Podcast

Michael Busch

Wie Zalando mit KI den E-Commerce neu definiert

Von Content-Produktion über Retouren bis hin zu Agentic Commerce – ein Blick auf die KI-Strategie eines Branchenführers

18.03.2026 6 min

Zusammenfassung & Show Notes

Zalando hat kürzlich starke Geschäftszahlen präsentiert – und ein Großteil des Erfolgs lässt sich auf den gezielten Einsatz von KI zurückführen. In dieser Folge der KI Kantine schaut sich Buschi an, wie umfassend KI mittlerweile im E-Commerce eingesetzt wird. Von drastisch reduzierten Content-Kosten über personalisierte Discovery Feeds bis hin zur intelligenten Retourenvermeidung zeigt sich: KI wirkt entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders spannend ist der Ausblick auf Agentic Commerce und die Rolle großer Plattformen wie Google. Eine Folge über Daten, Skalierung und echte Wettbewerbsvorteile. 

Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch – Entwickler, Unternehmer und neugieriger Kantinenphilosoph.

Hier geht’s regelmäßig zur Mittagspause um Künstliche Intelligenz im echten Entwickleralltag – verständlich, praxisnah und mit einer Prise Skepsis.

Neue Folgen erscheinen regelmäßig – meistens genau dann, wenn du dir eh gerade ein Tablett schnappst.

📬 Fragen, Feedback oder eigene KI-Erlebnisse? Schreib mir an podcast@ki-kantine.de

Alle Folgen & mehr: https://ki-kantine.letscast.fm/

Transkript

(Transkribiert von TurboScribe. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Mahlzeit. Mahlzeit. Sag mal, hast du eigentlich Zalando-Aktien? Nö, die Welt der Mode ist nicht so mein Ding. Ja, das habe ich vermutet. Was? Also Zalando hat ein sehr gutes Ergebnis gehabt. Ich meine, die haben letztes Jahr About You gekauft und haben heute gemeldet, oder jetzt letzte Woche gemeldet, dass sie 17% mehr Umsatz gemacht haben. Aha. Aber das Spannende ist, ein Großteil davon verdanken sie ihren Umstellungen im Bereich KI. Interessant. Und da ich ja nun auch im E -Commerce tätig bin, habe ich mir mal angeschaut, welche Bereiche die mit KI erweitert haben. Und dann fällt schon auf, eigentlich alle Bereiche. Also zum Beispiel Content. Die haben eine Kostenreduktion von 90% erreicht, weil sie innerhalb von einem Jahr von überhaupt kein KI generierter Content zu 90% KI generierter Content gekommen sind. Die Produktionszeit für so eine Kampagne waren also sechs bis acht Wochen, jetzt sind es drei bis vier Tage. Und dadurch konnten sie ihre Contentproduktion um 70 % erhöhen. Ja, dazu mussten sie halt ihre ganzen Klamotten, ihre ganzen Produkte in einen digitalen Twin umwandeln. Und damit halt so mit der KI interagieren zu können, wie sie wollen. Und wenn du so schnell Sachen erzeugen kannst, dann ist es natürlich auch, gerade in der Modebranche, möglichst sehr schnell sich verschiedenen Trends zu nähern. Und man muss dann nicht noch eine riesen Kampagne planen, sondern kann das sehr schnell machen. Und die haben bei Zalando so etwas, was sie Discovery Feed nennen. Da kannst du als Kunde dich beraten lassen, indem du halt einfach durchscrollst. Also so die TikTok-ifizierung des Ganzen. Damit haben sie einen sehr großen Erfolg gehabt. Die haben neun Millionen wöchentliche Nutzer, die diesen KI-kuratierten Feed sich anschauen. Und das ist halt sehr individuell. Und als Ergebnis haben sie 13% mehr Artikel im Warenkorb durch diese KI-Personalisierung. Und da haben die natürlich einen riesen Vorteil, weil die 17 Jahre lang Kundendaten, die gibt es halt schon so lange, 17 Jahre lang Kundendaten als Fundament haben. Daraus können sie dann sehr gut die Präferenzen jedes einzelnen Kunden herausarbeiten. Und was ist immer der größte Kostenfaktor und damit auch das größte Einsparpotenzial? Das sind die Retouren. Wenn du also durch KI Wahrscheinlichkeit reduzieren kannst, dass das Produkt zurückgeschickt wird, bist du schon auf einem guten Weg. Die haben es geschafft, eine Reduktion von größenbedingten Retouren um über 8% zu schaffen. Und auch hier kommen die Kundendaten natürlich sehr zum Tragen, denn die haben einfach einen Blick auf die Kaufhistorie eines jeden Kundens und auch auf die Retourendaten. Das heißt, die können es schon selbst sehen. Der hat schon fünfmal was bestellt, was immer zu groß oder zu klein war. Und diesmal kann ich ihm empfehlen, ich rate dir, das ist ein vergleichbares Produkt, das weiß ich, weil ich das alles, meine ganzen Produktdaten gelernt habe als KI. Ich weiß, dass du das eine Nummer kleiner bestellen musst. Und dann haben die noch mit OpenAI zusammen so einen Chat entwickelt, der eine natürlich sprachliche Produktberatung macht. Also als würdest du jetzt in den CNA gehen und dort würde dich jemand beraten, wenn das so wäre. Zum Beispiel, was soll ich zu einer Frühlingshochzeit in Italien tragen? Und dadurch gibt es eine natürlich sprachliche Antwort des Chats. Das hat auch enormes Engagement bei den Nutzern erzeugt. Und es gibt durchschnittlich vier Austausche pro Einkaufs -Session von einem Kunden. Auch dadurch entstehen bis zu sieben Prozent niedrigere Retourenraten. Aha. Und was ich auch sehr spannend fand, das ist die Marktanalyse-KI. Die nennen das Trendspotter. Da wird das Fashion-Verhalten in fünf großen europäischen Städten gemonitort. Daraus sehr frühzeitig Trends erkannt. Also auch Verschiebungen im Style und in den Farbpräferenzen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Bestandsprognose. Also wie viele muss ich vorhalten? Wie viele Produkte muss ich vorhalten? Ist das gerade ein Trend? Da brauche ich viel davon. Auch hier, wenn das Produkt schnell beim Kunden ist und auch die Vorhersage, wann das Produkt beim Kunden ist, zutrifft, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde wieder da bestellt, sehr groß. Das kennst du von Amazon. Wo du sagst, am nächsten Tag ist es da, da kann ich ziemlich sicher sein. Und das finde ich, haben sie noch etwas sehr Schlaues gemacht. Sie haben sich nämlich zusammen mit Google getan, um ein Agentic-Commerce zu entwickeln. Und da möchten sie gern Vorreiter sein. Und sie sind damit eine von zwei europäischen Launchpartnern für das Google Universal Commerce Protocol. Da geht es halt um den Verkauf von Produkten in dem Agenten. Also der Agent, der das mehr oder weniger für dich einkaufen soll. Du kannst also im KI-Chatbot direkt Produkte entdecken und verkaufen. Da haben wir schon ein paar Mal drüber geredet. Das wollen sie alle machen. Wenn du natürlich früh dabei bist, da hast du deine Daten ja schon sehr, sehr komplett Google angedient. Damit bist du auch sehr oft referenziert bei den ganzen KI-Fragen. Tatsächlich ist Zalando die meistreferenzierte Fashion-Plattform in so Chat-Systemen. Aha. Du merkst also, dass so eine KI eigentlich überall sinnvoll eingesetzt werden kann im E-Commerce. Sowohl für den Content, wie auch für das passende Produkt. Also sowohl im Anbieten des richtigen Produkts, was dich interessiert, und dann auch noch der richtigen Größe für dieses Produkt. Und das kannst du immer machen, indem du ein tolles Daten-Ökosystem hast. In diesem Falle 17 Jahre Kundendaten. Und das ist ein enormer Burggraben. Da müssen die anderen sich wirklich sehr strecken, um da nochmal ranzukommen. Also ich hab mich an der Salatbar ganz schön gestreckt, um an die Gurke ranzukommen. Können wir jetzt in Limon essen? Die KI-Kantine ist ein Projekt von Michael Busch, der auch beim nächsten Mal wieder ein frisches KI-Gericht auftischt mit einer Prise Pommes und einer Beilage Skepsis.